Ausstellungen (Auswahl)

Familienaltar zum Dia de Muertos

Amelie Russana widmet der geistigen Welt, als Wertschätzung für die Zusammenarbeit, jedes Jahr eine künstlerische Arbeit. Dieses Jahr hat sie sich dafür entschieden, den Familienaltar öffentlich auszustellen. Der, sonst in den privaten Räumen aufgebaute, Altar wird für den Dia de Muertos öffentlich gezeigt. Amelie Russana und die geistige Welt kommunizieren in Form von Bildern und Visionen miteinander. Aus diesen Visionen entstehen ihre künstlerischen Arbeiten.

Was ist der Dia de Muertos?

 

Der mexikanische Dia de Muertos wird in der Nacht vom 31.10. auf den 01.11. gefeiert. Es ist die einzige Nacht im Jahr, in der sich die Grenze zwischen der lebendigen und der geistigen Welt auflöst und die Verstorbenen die Angehörigen besuchen können. Es ist ein freudiges, besinnliches und buntes Fest und man feiert es in großer Runde gemeinsam.

Damit die Toten den Weg zu ihren Familien finden und nicht auf Abwege kommen, bauen die Familien einen Altar. Auf dem Altar stehen die Bilder der Verstorbenen. Es werden Essen und Getränke bereitgestellt. Spielzeug und persönliche Dinge finden einen Platz auf dem Altar sowie ein christliches Symbol. Das bunte Papel Picado und die Studentenblume "Cempasuchil" dürfen auf keinen Fall fehlen. 


 

Wer sind die Personen auf dem Altar?

 

Opa Adi, der Bäcker aus der Steingasse. Er war ein schweigsamer Mensch, der wenig über sich erzählte und fast 30 Jahre Bäcker in dieser Straße, gleich im Haus daneben, war. 

 

Kurt und Sigrid: Sigrid war eine leidenschaftliche Botanikerin. Sie reiste nach Bolivien und Ecuador, um Orchideen zu finden. Mit einem Jeep und etwas Spanischkenntnissen fuhr sie durch den Dschungel und entdeckte viele unbekannte Arten. Diese Orchideen sind bis heute im hiesigen botanischen Garten. Kurt und seine Familie leben schon lange in Heidelberg. Seine Familie baute die Schlossbergbahn und er betrieb einige Steinbrüche in der Region, auch in Dossenheim. Er war ein sehr geduldiger und lieber Mensch. 

 

Tante Mi (Maria) floh mit der Familie ihrer Schwester im Zweiten Weltkrieg vor den Russen von Königsberg nach Heidelberg. Kurz vor Kriegsbeginn heiratete sie die Liebe ihres Lebens, Viktor. Sie waren nur drei Wochen verheiratet. Dann musste Viktor in den Krieg, von dem er nicht zurückkam. 

 

Abuelo Fidel musste sehr früh lernen, was es bedeutet auf sich alleine gestellt zu sein. Mit sieben sterben die Eltern. Die kleine Schwester stirbt, nachdem sie Erde gegessen hat, kurz danach. Der Onkel in Veracruz will ihn nicht. Er ist alleine auf der Welt und muss sich erstmal als Straßenkind in Mexiko City durchschlagen. Es gelingt. Er lebt ein sehr armes, aber fleißiges und ehrliches Leben. Den fünf Kindern ermöglicht er es zu studieren. Das Haus, in dem die Familie wohnt, hat er selbst gebaut. Bei Sturm müssen alle Familienmitglieder das Wellblechdach festhalten, damit es nicht wegfliegt.

 

“Tita” Ofelia war eine starke, temperamentvolle und leidenschaftliche mexikanische Frau. Sie ging ihren Weg und ließ sich von nichts beirren. Sie verdiente ihr eigenes Geld, heiratete zweimal und liebte es, zu reisen. Sie war eine liebevolle Großmutter. 

 

Tito, eigentlich Ignacio, war Ophelias zweiter Ehemann. Beim Tanzen haben sie sich kennengelernt. Er war Automechaniker und hatte eine kleine Werkstatt in der Colonia (Stadtviertel).    

 

Über Jorge ist wenig bekannt, vieles kam erst nach seinem Tod heraus. Er war Ophelias erster Ehemann, der die Familie früh verlassen hatte. Den Kontakt zu seiner Tochter durfte er erst nach Ophelias Tod wieder aufnehmen. Als sich Vater und Tochter wieder treffen, ist sie bereits Mitte fünfzig.

Der Altar ist vom 25.10. bis 06.11.2022 zu sehen. 

Bergamo -Die Malerei der Pandemie-

Zerstörte Menschenleben und Familien, nicht endend wollende Trauer und Einsamkeit. Niemand wird je die Konvois von Militärlastern vergessen, die die Toten aus der Stadt Bergamo brachten. Ein liebe- und würdevoller Abschied war in der Stunde des Todes nicht möglich. Bergamo wurde zum Sinnbild der Pandemie. Daher beschloss ich, so wie Picasso damals Guernica malte, eine Malerei zu schaffen, die sich Bergamo und damit der Pandemie annimmt. 

 

Meine Arbeiten entstehen in Zusammenarbeit mit der geistigen Welt. Sie zeigten mir, was Bergamo bedeutete und ich malte es. Hier ein Auszug aus meinem Tagebuch aus 2020:

 

„Ich brachte mich in meinen Raum. Alles ist schwarz. Nur mich kann ich sehen. Kein oben, kein unten. Dann sagte ich: Zeig mir, was Bergamo bedeutet. Ein Dahlienfeld kam auf mich zu. Ein großes Feld. Auf den ersten Blick sieht es schön aus in der Nacht. Ein Zauber. Diese großen Blumen und die blaue Nacht. Dann erst merke ich, dass fast alles vertrocknet ist und die Blumen abgebrochen sind. Ein Feld zwischen Blühen und Tod. Dazwischen. Zwischen den Blumen flimmert etwas. Ich kann es nicht erkennen. Es blitzt heftig vor den Augen. Ich kann das nicht auflösen. Tagelang sehe ich dieses Blitzen zwischen den Blumen. Dann ziehe ich es auseinander und ein neues Bild zu Bergamo entsteht. Große und kleine, dicke und dünne voll blühende Dahlien schweben an mir vorbei. Ich muss an den Styx denken. Das sind die, die gegangen sind und das erste Bild des verdorrten Feldes ist das Hier und Jetzt. Die Arbeit kann beginnen."

Zur Zeit wird der zweite Malereizwilling, Bergamo 2, bis zum 11.09 gezeigt. Der erste Zwilling war vom 01.06 bis zum 23.07.2021 zu sehen. 

Das Atelier ist vom 20.08. bis zum 04.09.2022 geschlossen.

"Bergamo", Heidelberg, Juni -September, 2022

Leviathan

“Ich sammelte gerade Knochen und Blätter aus einem Fluss, der in das Meer mündete, heraus als ein riesiger schimmernder Berg an mir vorbei glitt. Es funkelte und leuchtete. Es gab kein Ende, nicht in den Himmel hinauf und nicht gen Horizont. Es war wunderschön. Es war jedoch kein Berg, es war ein Fisch, ein Gigant und weil ich so etwas noch nie gesehen hatte kannte ich nur ein Wort aus einer alten Geschichte dafür:  Leviathan

Weil es mir nicht möglich war ihn hierher zu bringen, tat ich das, was mir möglich war und brachte nur ein Stück seiner Haut mit.” 

"Leviathan", November, Heidelberg, 2021 

Die Nacht hat zwölf Stunden

"Corona hat die Menschen in meinen Malereien ausgelöscht. Daraufhin gab es nur noch Schwärze auf den Malträgern und in meinem weißen Raum. Diese verwandelte sich Stück für Stück in die Schwärze der Nacht. Ganz langsam kam dann das Licht dazu und die Nacht begann sich in Blau zu kleiden. In diesem Nachtblau fingen an Dahlien zu wachsen. Wann und ob der Tag kommt ist ungewiss.......Aber das ist ok für mich."

Bertholt Brechts -Das Lied von der Moldau und die Wahl des Ausstellungstitels:

Wir befinden uns alle zurzeit in der Nacht. Die Nacht ist die Pandemie und das können wir nicht ändern. Der Tod, die Dunkelheit und die Routine der konstanten Bedrohung gehört zu unserer aller Alltag. Um einen passenden Titel für die Ausstellung auszusuchen, habe ich mich für den Satz aus Bertolt Brechts Gedicht - Das Lied von der Moldau - von 1944 entschieden. Er schrieb es im Krieg und darin gibt es diesen denkwürdigen Satz "Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag". Was für die Malereien und dieses Gedicht existentiell ist, ist der Ist-Zustand und zugleich das Versprechen auf den Tag, den Wechsel. Also damit auf die Veränderung, um damit letztendlich das Versprechen, dass sich jeder Horror wieder verwandeln kann. Das Leben findet einen Weg. Die Malereien, die in der Pandemie geboren wurden, enthalten die Dunkelheit, aber auch das Versprechen auf Licht. Wir befinden uns sozusagen in der blauen Stunde der Nacht. 

"Die Nacht hat zwölf Stunden", Heidelberg, 2021

Pandemie

Die weiße Höhle

„Da ist dieser weiße Raum. Ich weiß nicht, was es ist oder wo es ist, aber ich gehe gerne dorthin. Alles ist superweiß. Ich finde Dinge dort, ich sehe Dinge. Überall sind Knochen, es gibt so viele Farben und so viel Licht. Ich kann niemanden dorthin mitnehmen. Also fange ich an, Dinge von dort drüben hierher zu bringen. Damit die Anderen es auch sehen können"

"Die weiße Höhle", AdBK Karlsruhe, Diplom 2019

Los muertos están vivos - the dead are alive 

Maskenperformance

 

„Es klingt seltsam - die Toten- zu sagen. Ich fühle, sehe, höre sie. Manchmal stehen sie neben mir. Nicht meinetwegen. Eher so, als wenn man ein Gesprächsschnipsel aufschnappt, während man an Fremden auf der Straße vorbeigeht. Ich habe das Gefühl, dass sie sich nicht so sehr von uns unterscheiden. Es gibt etwas, dass sich verwandelt hat, aber die Essenz bleibt gleich. Ich sehe sie die ganze Zeit in der Akademie. Ich hasse es, die Tür des Ateliers offenzulassen. Eine Freundin fühlt es auch, aber die meisten sind blind und taub dafür. Ich möchte dieses Wissen irgendwie ehren und ihm eine Form geben.

 

Ich werde eine Performance organisieren.

Es wird in der Nacht sein.

Allerheiligen.

Das ganze Haus wird von Ihnen besetzt werden (Werderstraße 71, Karlsruhe).

 

Die Toten leben (die Performer) und die Lebenden (die Betrachter) können sie besuchen. Diesmal können die Toten sie nicht sehen. Normalerweise können uns die Toten sehen, wir sie aber nicht. Hier soll es umgekehrt sein. Die Toten sind sichtbar und tragen eine Maske. Es ist das Symbol, um sie voneinander zu unterscheiden. Ich werde meine Skulpturen und meine Farben auslegen. Die einzige Anweisung für die Performer lautet: „Ihr könnt die Lebenden nicht sehen“

Die Performance dauerte drei Stunden und war für eine Nacht in zu sehen

Credit Performer: Sarah Degenhardt, Katinka Eichhorn Yonkuk Ko, Pollo Guzman, Hiroko Nagata, Hao, Solveig Scharper, Nikolas

"Die Toten sind am Leben", Hausbesetzung Karlsruhe Offspace, Förderung der Stadt Karlsruhe 2018

Say, have we met before ?

Ich arbeite an den kleinen Aquarellen, es sind schon mehrere Hundert. Ich möchte sie gerne zeigen. Da ist diese Stimme in meinem Kopf.

Die Stimme: "Bring sie in den Wald."

Amelie: "In den Wald?"

Die Stimme: "Ja zeig sie im Wald !"

"Say, have we met before?", Waldausstelllung Installation Dossenheim, Förderung Dossenheim 2018